Serbien will NATO wegen Einsatzes von Uranmunition verklagen

Bericht
Dekontaminierungsprojekt in Südserbien
Dekontaminierungsprojekt in Südserbien

Die “Operation Allied Force” im ehemaligen Jugoslawien wurde 1999 von der NATO ohne ausdrückliches UN-Mandat ausgeführt. Durch den Einsatz von 10t- 15-t abgereicherten Uran starben bei der Bombardierung nicht nur 2,000 Zivilisten. Die Folgen für Mensch und Umwelt sind langfristiger und verheerend: Immer mehr Serben werden jährlich mit bösartigen Erkrankungen diagnostiziert. Nun wollen ein Team bestehend aus internationalen Juristen gegen die einzelnen NATO Länder und deren völkerrechtswidrigen Angriff klagen- um Gerechtigkeit für die Opfer und Hilfe für die Betroffenen zu verlangen.

 

Die “Serbien Royal Academy” stellte das Team aus 26 Juristen und Professoren aus Serbien, Deutschland, Frankreich, Italien, Russland, China, Großbritannien und der Türkei zusammen. Geleitet soll dieses Team vom serbischen Anwalt Dr. Srdjan Aleksic werden. Doch nicht nur Anwälte werden benötigt. Auch Ärzte, so Srdjan Nogo, Präsident der Serbien Royal Academy, engagieren sich um die beträchtlichen Folgen von dem DU Einsatz zu dokumentieren und analysieren. Laut dem serbischen Gesundheitsministerium wird durchschnittlich ein Kind pro Tag mit Krebs diagnostiziert. Insgesamt ist die Rate an Krebspatienten, besonders die der Leukämiefälle, fünfmal so hoch wie vor dem Angriff, mit rund 33,000 Fällen pro Jahr. [1]

 

Die Klage basiert in erster Linie auf dem völkerrechtswidrigen Charakter der NATO-Bombadierung von 1999. Damals beteiligten sich 14 NATO-Staaten an dem Angriff, bei dem von Flugbasen aus Italien, Bosnien, Albanien, Mazedonien, Deutschland, Ungarn, den USA und von Flugzeugträgern im Mittelmeer rund 20,000 Bomben auf Jugoslawien abgeschossen wurden. Darunter kam auch die Streubombe zu Einsatz, die hauptsächlich für gepanzerte Fahrzeuge und andere rein militärische Ziele gedacht ist. Durch die hohe Quote an Fehlzündungen geschieht es immer wieder, dass Zivilisten, insbesondere spielende Kinder, im Nachhinein Opfer der Bomben werden. Obwohl diese Art von Kriegsführung seit dem Genfer Abkommen 1949 verboten ist, wurden dennoch mindestens 1,100 Streubomben in Jugoslawien verwendet.

 

Ein weiteres Argument der Kläger ist die Kausalitätsfeststellung die bereits in einigen Ländern durch erhebliche Kompensationsgelder fundamentiert wurde.[2] [3]Diese bezeugt, dass DU Munition in der Tat gesundheitsgefährdend und von den Ländern als Bedrohung für ihre Soldaten angesehen wurde. Obwohl die New York Times schon früh über ein Dokument namens „hazard awareness“ [4] berichtete, indem Sicherheitsvorkehrungen bezüglich des Umgangs mit Dekontaminierungen, unter anderem DU, zu finden waren, wurden oftmals weder die Zivilbevölkerung, noch die Soldaten hinreichend vor der Kontamination durch DU geschützt. Die chemisch-toxische, sowie radioaktive Gefahr von DU wurde somit, so ICBUW, “bislang drastisch unterschätzt.”[5]

 

Nun sollen nicht nur diejenigen Abhilfe bekommen, die kurzfristig einen Einsatz in den betroffenen Gebieten durchgeführt haben, sondern auch die Zivilbevölkerung vor Ort, die nun schon jahrzehntelang unter den Angriffen von 1999 zu Leiden hat. Bislang hat die NATO diese Vorgänge zwar wahrgenommen, dennoch nicht weiter kommentiert. Es bleibt zu hoffen, dass die Gerichtsurteile in den einzelnen Ländern sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen und Hilfe für Serbien nicht versagt wird.

 

[1] http://www.aleksic.rs/en/ratna-steta-1999-en/ratna-steta-1999

[2] http://www.fr.de/politik/kriegsfolgen-sie-nannten-es-balkan-syndrom-a-1249530

[3] http://www.bandepleteduranium.org/en/italian-court-rules-that-ministry-of-defence-failed; http://iacenter.org/warcrime/cpona.htm

[4] http://www.nytimes.com/2001/01/09/world/1999-us-document-warned-of-depleted-uranium-in-kosovo.html?mcubz=0

[5] ICBUW, “Uranwaffen Briefing” ( http://www.uran-munition.de/material/2-ICBUW-Briefing-dt.pdf, Seite 7

 

Bericht: Nele Schuldt

Bild-Beschreibung: Dekontaminierungsprojekt in der Nähe von Borovac, Südserbien, 2007.
Foto von Naomi Toyoda, ICBUW Report 2011