Militärische Studie über abgereichtes Uran stellt die gängigen Modelle bezüglich des Gesundheitsrisikos durch Strahlung infrage.

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DU in-vitro Bestrahlung
DU in-vitro Bestrahlung

Eine neue Studie vom US Armed Forces Radiobiology Research Institute hat Befürchtungen bestätigt, dass ein neuerlich entdeckter Effekt von Strahlung auf Zellen auch von abgereichertem Uran (englisch: depleted uranium ‚DU’) ausgelöst werden kann.

  1. September 2017 ICBUW

Die von Dr. Alexandra Miller geleiteten Teams vom US Armed Forces Radiobiology Research Institute (AFRRI) haben einen großen Beitrag dazu geleistet unser Verständnis bezüglich DU Interaktion mit Zellgewebe besser zu verstehen. Unter Anderem beinhaltete ihre Recherche eine Studie über die Genotoxitität von DU, ihrer Mutagenität und ihrer Fähigkeit Leukämie auszulösen. Die neueste Studie von Miller, die diesen Sommer veröffentlicht wurde, fokussiert sich auf die Frage, ob DU auch einen neuerlich entdeckten Effekt auf Zellen auslösen kann- den sogenannten Bystander Effekt.

 

Der Bystander Effekt gilt als bislang kaum erforschtes Phänomen, in dem Zellen durch benachbarte Zellen in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn diese durch Strahlung beschädigt wurden.  Der Mechanismus, wodurch dieses Phänomen geschieht, wird immer noch genauer erforscht, doch es wird vermutet, dass dieser Effekt durch chemische Signale zwischen den Zellen entsteht. Obwohl dieser Effekt auch durch Chemikalien ausgelöst werden kann, befasst sich Millers Studie hauptsächlich mit Strahlung, insbesondere der Alpha Strahlung. DU ist ein Verbreiter von Alpha Strahlung, weswegen ICBUW und Andere schon seit Längeren argumentiert haben, dass das Gefahrenpotential durch internen Kontakt mit einbezogen werden muss- zum Beispiel durch das Einatmen von DU Staub.

 

Millers Studie vergleicht zwei karzinogene Metalle- Nickel und hexavalentes Chrom- mit DU und Alpha Strahlung. Die Kontrollmaterialien Nickel und Chrom lösten keinerlei Bystander Effekt aus, dafür aber sowohl DU als auch Alpha Strahlung. Ihr Team behielten außerdem das Medium im Auge, in dem die Zellen plaziert waren, und kamen zu der Schlussfolgerung dass es keine Überbleibsel von DU sein könnten die die nicht-strahlenexponierten Zellen beschädigen sondern eher eine Art Sekret, das von den beschädigten Zellen ausgeht. Millers Team vermutet dass: „Die neuen Befunde des Bystander Effekts, verursacht von DU-exponierte Zellen und vermittelt durch einen sekretischen-extrazellen Faktor kann nicht nur Bedeutung für die Strahlung im Bezug auf DU Effekte haben, sondern es kann auch beträchtliche Bedeutung für die Auswertung des Krebsrisikos durch das Ausgesetztsein von DU haben.

 

Diese Studie stellt zwei weit verbreitete Vermutungen über DUs Gesundheitsrisiken infrage: Die Erste ist die allumfassende Bedrohung durch chemische Vergiftung, statt Strahleneinwirkung, und die Zweite bezieht sich auf die Unsicherheit über die Risiken durch interne Strahlung. In den Risikoeinschätzungen durch Strahlung bezieht sich ein Großteil der Auswertung auf externe Strahlungseinwirkung, mit einem sehr viel geringeren Fokus auf Datenmaterial über interne Strahlung. Für den Bystander Effekt bedeutet dieses, dass eine weitaus größere Anzahl an Zellen durch Strahlung geschädigt werden als bisher angenommen.

 

Die Komplexität bezüglich der Feststellung ob es Gesundheitsrisiken durch interne Strahleneinwirkung gibt wurde letztes Jahr in einem Report der United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation (UNSCEAR) geäußert, in dem sie feststellten, dass “…kontinuierliche Recherche und Überarbeitung notwendig sind um die Effekte durch interne Einwirkung von Strahlung zu bewerten. Weitere Untersuchungen werden benötigt, um die Effekte nachzuvollziehen, die durch ungleiche Abgaben von Dosen von internen Verteilern in Gewebe und Zellen relativ zu der uniformeren Abgabe von Dosen durch externe Aussetzung penetrierender Strahlung entstehen.“

 

Ironischerweise hat UNSCEAR außerdem die gesundheitlichen Auswirkungen durch DU angesprochen und dabei festgestellt: „…keine klinisch signifikante Pathologie wurde bei dem Militärpersonal oder Zivilpersonen durch ein Ausgesetztsein von abgereicherten Uran festgestellt.“ Dank dem Fehlen von Recherchen und Studien über die strahlenexponierte Zivilbevölkerung ist dies aber auch keine überraschende Schlussfolgerung.