DU-Waffeneinsatz im Jemen?

Blogbeitrag
photo credits: Greg Jemison
photo credits: Greg Jemison

Seit dem arabischen Frühling 2011 herrscht zunehmendes Chaos im ärmsten Land der arabischen Halbinsel – dem Jemen. Hungersnot, Krankheiten und Krieg fordern nicht nur in den Nachbarländern ihren Tribut: Seit nunmehr zwei Jahren kämpft die von Saudi-Arabien angeführte saudische Allianz (bestehend aus mehreren Golf-Staaten) gegen die schiitischen Huthi-Rebellen, die wiederum vom Iran unterstützt werden.

Fundamentale Probleme ergeben sich aus der unzureichenden Nahrung, die das Land erreicht. Der Hafen von Hodeidah ist laut dem Historiker und Politikwissenschaftler Marcel Serr logistisch gesehen besonders wichtig, um eine drohende Hungersnot zu verhindern, da rund 80% der Lebensmittelimporte dort ankommen.[1] Trotzdem wurden diese überlebenswichtigen Hafenanlagen von Saudi-Arabien unter Beschuss genommen, was zunehmend zu einer Zuspitzung der humanitären Lage im Land führt.

 

Gleichzeitig schlagen Hilfswerke wie das Internationale Rote Kreuz Alarm, die eine rasante Verbreitung von Cholera feststellen. Erzeugt durch verunreinigtes Wasser und einen Mangel an medizinisch-technischer Grundversorgung infizieren sich täglich ca. 5000 Menschen.[2] Die Weltgesundheitsorganisation zählte Anfang August 2017 rund eine halbe Millionen vermuteter Fälle der Krankheit, die somit die weltweit größte Cholera-Epidemie darstellen.[3]

 

Zudem kommen immer mehr Details bezüglich der Kriegführung im Jemen ans Licht. Die saudische Allianz setzt seit einigen Jahren unter anderem auf den Einsatz der umstrittenen, völkerrechtswidrigen Streubomben. Amnesty International hat dazu Information aus den jemenitischen Gebieten Sa’da, Hajjah und Sana’a dokumentiert, die belegt, dass die Streumunition aus den USA, Brasilien und Großbritannien stammt. Vor allen Dingen sind Zivilisten von den Folgen betroffen. Laut Handicap International gehörten rund 97% der Opfer von Streumunition zur Zivilbevölkerung, darunter 36% Kinder.[4]

 

Aber es gibt Anlass für noch mehr Beunruhigung: Ärzte in Krankenhäusern berichten von vermehrten Totgeburten und Missbildungen bei Babys aus den Kriegsgebieten. Dies lässt vermuten, dass DU-Munition von Saudi Arabien benutzt wird. Die Symptome entsprechen denen, die im Irak festgestellt wurden, wo ebensolche Waffen zum Einsatz kamen. In jedem Fall verstärkt DU-Munition, zusätzlich zu der Streumunition, das Leiden der Zivilbevölkerung ungemein.

 

Trotz dieser schwerwiegenden Befunde wird weiterhin hoch-lukrativer Waffenhandel mit Saudi-Arabien betrieben. Amnesty International kritisierte im März 2017 die USA und Großbritannien für ihre Waffenlieferungen nach Saudi Arabien, die ein Transaktionsvolumen von über 5 Billion US-Dollar beinhalten. Für Deutschland stellt Saudi Arabien sogar das dritt-wichtigste Ziel von Rüstungsexporten dar. Wie im Rüstungsexportbericht aufgeführt, betrug der Wert der dorthin ausgeführten Rüstungsgüter 2016 ganze 529 Millionen Euro.

 

Fest steht, dass es an der Zeit ist, diesen Konflikt politisch zu lösen und dass die notleidende Bevölkerung den verheerenden Bombenhagel nicht noch länger ertragen sollte. Solange diese humanitäre Katastrophe sich fast unbeachtet am Rande der Kriegszustände in Syrien abspielt, wird der Jemen keinen Weg aus der dreiteiligen Bedrohung durch Hunger, Cholera und Krieg finden.

 

[1] https://www.audiatur-online.ch/2017/08/02/buergerkrieg-im-jemen-hintergruende-entwicklungen-und-implikationen-fuer-israel/

[2] http://www.handelsblatt.com/politik/international/buergerkrieg-jemen-wird-zum-brutkasten-fuer-cholera/20177168.html

[3] http://www.who.int/mediacentre/news/releases/2017/cholera-yemen-mark/en/

[4] https://www.handicap-international.de/sites/de/files/pdf/faktenblatt-streubomben.pdf

 

Ein Beitrag von Nele Schuldt.